Bauprojekt Murtenstrasse 20-30

Das Tier im Versuch

Die Schweiz verfügt mit dem Schweizerischen Tierschutzgesetz (TSchG), der darauf basierenden Tierschutzverordnung (TSchV) und der Tierversuchsverordnung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über eine der weltweit strengsten Gesetzgebungen im Bereich Tierschutz. Die Forschenden sowie das Tierpflege- und Laborpersonal an der Universität Bern arbeiten auf der Grundlage dieser Tierschutz-Gesetzgebung. Zudem hat sich die Universität Bern den Grundsätzen der CRUS (Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, jetzt swissuniversities) zur tierexperimentellen Forschung verpflichtet.

Für Kosmetik und Haushaltsprodukte dürfen in der Schweiz seit 1995 keine Tierversuche mehr durchgeführt werden. Um neue Therapien gegen Krankheiten wie Krebs, Demenz, Diabetes usw. zu entwickeln, sind zum heutigen Zeitpunkt Tierversuche in der biomedizinischen Grundlagenforschung aber nötig und werden dementsprechend bewilligt. Um aussagekräftige und reproduzierbare Resultate zu erzielen, braucht es eine qualitativ hochwertige Tierhaltung. Der geplante Neubau an der Murtenstrasse 20-30 schafft zeitgemässe Voraussetzungen für die Zucht von Mäusen und optimiert die Haltungsbedingungen, was die Tiere vor Infektionen schützt und letztendlich hilft, die Anzahl benötigter Tiere pro unumgänglichen Versuch zu reduzieren. 

Sämtliche Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken bedürfen einer Bewilligung der zuständigen Behörde aufgrund einer Empfehlung der unabhängigen kantonalen Tierversuchskommission. Diese besteht aus Fachspezialistinnen und Fachspezialisten sowie Mitgliedern von Tierschutzorganisationen. Die Antragsstellenden müssen im Gesuch aufzeigen, dass der Erkenntnisgewinn höher zu gewichten ist, als die negativen Einflüsse auf die Versuchstiere (sog. Güterabwägung). Des Weiteren muss belegt werden, dass der Tierversuch unumgänglich ist für den Erkenntnisgewinn und keine Alternativmethode angewendet werden kann. Auch muss über die Belastung der Versuchstiere Rechenschaft abgelegt werden. Personen, die Tierversuche durchführen, müssen eine entsprechende Aus- und Weiterbildung absolviert haben. Ausgebildete Tierpflegerinnen und Tierpfleger sowie Veterinäre kümmern sich um die Tiere. Der Veterinärdienst und die Mitglieder der Tierversuchskommission kontrollieren die Versuchstierhaltungen und Tierversuche jährlich nach den Vorgaben der eidgenössischen Tierschutzgesetzgebung.

Als Tierversuch gilt in der Schweiz jede Handlung mit einem lebenden Tier, die dem Erkenntnisgewinn dient. In der Schweiz werden 4 Schweregrade von 0 bis 3 unterschieden. Die Schweregrade 0 und 1 bezeichnen keine, respektive eine kleine Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Der Schweregrad 2 entspricht einer mittleren Belastung, der Schweregrad 3 einer schweren Belastung.